dem zenoten schrammelklange

Samstag und Sonntag verliefen sich im Wald
Es war so Litschig und auch ganz grimmich kald
Pletzlich kemmt der Juli, so um den 9ten Rum
Es wärmt sich der Herrnsee, die Stürme bleiben stumm

Nein, als Gottesbeweis mögen wir's nicht durchgehen lassen, aber bemerkenswert ist's schon: ich kann mich nicht erinnern (…), dass wir jemals auf Grund einer vermeintlich typischen Waldviertler Wetterschieflage zumindest einen halben, geschweige denn einen ganzen Schrammelnachmittag lang blau machen durften – nein, immer konkurrierte die Bläue des Himmels mit der unsrigen, und es konnte schon auch vorkommen, dass etwas fragilere Klänge, die von den Wald- Wiesen- und Seebühnen an und vor allem in die gespitzten Ohren des größtenteils begeisterten Publikums dringen wollten, vom Lachen der Sonne fast übertönt wurden. Ja, am Abend dann das eine oder andere Sommergewitter, das gab's schon – aber die waren und sind ja auch notwendig, nicht zuletzt, um die äußere Aufweichung der schon längst vorhandenen inneren halbwegs anzugleichen … apropos Publikum: Das, oder, um ein bisserl persönlicher zu werden, diese Menschen sind wirklich großartig! – die Betonung muss auf groß und auf artig gleichermaßen zu liegen kommen, weil jetzt warum:
Der Schrammelklang, beim Wort genommen, ist ein unverstärkter Klang (nicht zu verwechseln mit 'unplugged'), d.h. die Instrumente und die Stimmen sind nur so laut, wie sie ohne technische Hilfsmittel sein können resp. sind, und das wiederum hat zur Folge, dass ein Großteil der Darbietungen von den besagten Wald- Wiesen- und Seebühnen nur recht leise die Ohren der Zuhörer*innenschaft erreichen kann – da kann man halt nichts machen, aber gerade das macht auch die Einzigartigkeit dieses Festivals aus.
Was aber macht das p.t. Publikum: Umso lauter schwätzen? E-Mails abfragen? 'Und wer im Juli geboren ist …' grölen? Lauhthäärr! in Richtung Bühne schreien? Selber singen, wenn nicht gar besser? – Nein! Nichts von alledem und auch nichts anderes, was den Vortrag stören könnte. Stattdessen machen diese großartigen Menschen das, was sie in den letzten Stunden, Tagen oder auch über die Jahre (die Eine schneller, der Andere etwas langsamer) vom Schrammelklang am, im und um den Herrensee herum (den uralten Kalauer 'hean se mich?' spar ich mir jetzt) lernen durften: Stillsein, aufmerksam Zuhören, hellhörig werden; ganz Ohr sein und offen für die Kunst, die da halt vielleicht grad ein bisserl schwachbrüstig, simandelig und seicherlhaft von einer der sogenannten Naturbühnen, wie eine auf der kaiserlichen Wäschespinne im Garten der Ischler Sommerresidenz hängengelassene erzherzögliche Gattehosn in einem der gefürchteten Stürme, die Winters gern über das Salzkammergut herfallen wie der Löwe über das Lamm, der Gepard über das Gnu, der Bär über den Biber, der Luchs über die Lerche, der Biber über den Baum, der Fuchs über den Fasan, der Mähdrescher über die Mahd, die Ratte über den Reindling, die Richterin über die Rechtsbrecherin uvam, weht.
Was also machen diese großartigen Menschen in so einem Fall: große Ohren und artig zuhören! – und das hat nichts mit Kuschen zu tun, sondern ist ein wunderschönes, lebendiges Beispiel für das, was gemeint sein könnte, wenn von 'gegenseitiger Wertschätzung' die immer öfter zur Phrase ausgehöhlte Rede ist. Wie jämmerlich schauert da daneben die vielbeschworene Toleranz aus: 'I hea niggs und singa kenans a ned. Owa mei Griagl schmeiß i eana do ned um di Uan, weu easchtns is no a Schlukkal drin, und dsweitns hob i jo an Einsods dsoid …' – soda, und jetzt fangt der Punkt schon ganz nervös zum springen an, wir wollen auf ihn kommen:
Zum 10. Mal wird uns heuer das Schrammelklangfestival hoffentlich wieder um ein kleines Bisserl aufmerksamer, hellhöriger, rücksichtsvoller machen – aber es wird noch circa 100 brauchen, bis wir endlich sagen können: Es ist gut.

Na, und die schöne Natur rund um den Herrensee umadum? Da wollen wir den seligen Grantscheabm Th. Bernhard herbeizitieren: 'Heanse, die Natur brauch ich nicht zu beschreiben, die kennt eh jeder.' w.v.wizlsperger 2016

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