zum gebet

halle luja

Imma des Söwe
off 2005-2 ©2004


01 Ein schöner Tag
02
°Liebe
03 If Jesus Is Busy/Scheene Madaln
04
°
Keapa & Geist
05
Iwaroi wochsn d Hoa
06 Heißen in Cuba
07 Siebdsen Köna
08 Couplet
09 Tonzänn Tonzänn
10
°Brominenz
11 Schas mid Gwastln
12 Heazzkaschbalboika
13
°Dswa 144a Gschdanzln
14 Mei Schutzengal
15
°Tod
16
Zizalweis
17 Wia ma sogt
          
°Schulagschdanzln 1 bis 5 

Alles von neuem, Alles ewig, Alles verkettet, verfädelt, verliebt, o so liebtet ihr die Welt, – ihr Ewigen, liebt sie ewig und allezeit: und auch zum Weh1) sprecht ihr: Vergeh, aber komm zurück! Denn alle Lust will – Ewigkeit!
Friedrich Nietzsche »Also sprach Zarathustra«

Imma des Söwe: Trost oder Drohung?

»Denn was gilt uns der Erfolg? ...« - frägt Trudbert Quapil-Wenzl v. Auhof im ersten Band seines dreibändigen Hauptwerkes »Schiffe auf schiefen Ebenen!« auf Seite dreihundertsechsundsiebzig im zweiten Absatz oben, »Denn was gilt uns der Erfolg? Allemal noch mehr als die Liebe, auch wenn uns diese Alles ist ...«

Nun, wie auch immer, das vorliegende Werk versammelt ältere und neuere Eigenkompositionen, verwordaglte Interpretationen, Umdichtungen, Nachdichtungen und Neudichtungen längst kanonisierten Liedguts, jahrelang auf allen wienerischsprachigen Bühnen der Welt geprobtes sowie zwei tiefe Verbeugungen vor Ernst Kölz und dem seligen Joe Berger (»Heißen in Kuba« & »Couplet«). Aber auch Ungeprobtes wird nun endlich einer geneigten und hoffentlich besseren Nachwelt mit der höflichen Bitte um gefällige Kenntnisnahme gestellverfügt: z.B. die von Kennerinnen wie auch Kennern gefürchteten »Schulagschdanzln«, eine Sammlung von siebenhundertfünfundvierzig Vierzeilern, mit deren Verfassung wir im Laufe des vergangenen Jahres, angeregt von Roland Joseph Leopold Neuwirths Internetklasse bei der Schule für Dichtung
sfd.at, ausschließlich befasst waren, wurden auf ein beinahe erträgliches Maß zusammengestutzt und auf die ganze Kompaktdiskette gerecht verteilt (Gießkannenprinzip); und die ungekürzte, weil unstutzbare siebenminütige Meditation Ein schöner Tag, die hier erstmals einer breiteren Öffentlichkeit gratis (da im Kaufpreis nicht enthalten) zugänglich gemacht wird; und das sommerhitverdächtige »Iwaroi wochsn d Hoa«, eine schonungslose Analyse der momentanen politischen Mehrheitsverhältnisse in Österreich; und die herzergreifende Barockballade Zizalweis, wo über die Art der Ziehung der daraus durchaus in Betracht zu ziehenden Konsequenz ausführlichst nachgedacht wird; und »If Jesus is busy«, ein Glaubensbekenntnis, verfasst in einem sehr internationalen Englisch, das, seit wir damit das österreichische Kulturzentrum in New York eröffnen durften, von Heilsarmisten weltweit als neue Geheimwaffe geschätzt und gesungen wird; und das von Franz Mika in den Neunzehnzwanzigerjahren gezeichnete »Stillebm«, dessen hintergründige Obszönität sich nur ständig (?) an das Eine denkenden Schelminnen und Schelmen erschließt; und »Schaas mid Gwastln«, ein in Vico Torrianischer Manier gesungenes Kochrezept; und von dem allen abservierten Oberkellnern gewidmeten Lied A Haus mid launga Dradidsion kann leider nur der Text (zum Selbersingen) veröffentlicht werden, da unsere Anfrage bezüglich der Rechte für die Melodie (Lied der Pippi Langstrumpf) leider von der FilmkunstVerlag GmbH ohne Angabe von Gründen abschlägig beantwortet wurde; und, und, und, …

Und der 63er ist ein guter Jahrgang, mit einem ausgeprägten Hang zum Süden und einem hoffentlich kurzen und schmerzlosen Abgang; und Alles wird gut, wenn wir nur nicht den Hut draufhaun, sondern ihn - mit zurückgeworfenem Kopf wie ein Pianist - in der einen oder anderen Hand tragen.
Aber: Nicht jede/jeder, die/der sauft, ist eine/ein Kollegin/Kollege!

Prost! - Trost oder Drohung?
Es is Imma des Söwe: Es Schbüd si O, ma wiad Oid und Blad
und Bessa Wiads Nimma!

»Das Leben ist uns leicht geworden, am leichtesten, wenn es das Schwerste von uns verlangte. Wer uns in den Tagen dieses Winters gesehn hat, wo wir, ohne Unterbrechung, lauter Sachen ersten Ranges gemacht haben, die kein Mensch uns nachmacht - oder vormacht, mit einer Verantwortlichkeit für alle Jahrtausende nach uns, wird keinen Zug von Spannung an uns wahrgenommen haben, um so mehr eine überströmende Frische und Heiterkeit. Wir aßen nie mit angenehmeren Gefühlen, wir schliefen nie besser.
Wir kennen keine andere Art, mit großen Aufgaben zu verkehren, als das Spiel: dies ist, als Anzeichen der Größe, eine wesentliche Voraussetzung. Der geringste Zwang, die düstre Miene, irgendein harter Ton im Halse sind alles Einwände gegen einen Menschen, um wieviel mehr gegen sein Werk!
Friedrich Nietzsche Ecce Homo »Warum ich so klug bin«

1)We, der, »Weh«, nicht leistungsfähige Person, die es duldet, dass sie verachtet wird.
Syn. s. Suarm. Nach dem »Wörterbuch der Wiener Mundart« Maria Hornung ÖBV 1998.

presse:

Imma des Söwe, also: stets dasselbe, nennt das famose Trio sein neues Album, und das ist nicht nur Koketterie, denn hier geht es in der Tat immer ums Saufn, Speisn, Schnacksln und Sterm (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). Damit die Lebensart des semifreudigen Fatalismus Viennoise endlich auch international Beachtung findet, »singt« man einen Regionalklassiker (»waun da heagod ned wü«) auch in »englischer Sprache« : »If Jesus Is Busy« - fuckin´ unbelieveable.

Die Verarbeitungsarten von totem Tier werden einigermaßen flächendeckend erwähnt, die Weinflaschen singen »es wird ein wein sein, und ia weads nimma sein«, aber dennoch will man das »Banklreißn« eher »pomali« angehen. Schließlich bleiben auch die tiefsten Schubladen nicht ungeöffnet (sogt da hiaschal zum mulia ...) - da sorgt der grenzgeniale Gstanzldichter W.V.Wizlsperger verlässlich dafür, der endlich mal mit dem Ernst-Jandl- oder dem Büchner-Preis ausgezeichnet gehörte.
So welthaltig war Wien schon lange nicht mehr. Weltmusik? Wödmusi!
Klaus Nüchtern,
Falter 21/04

Positiv Trinken!

Das larmoyante, stets zum Genuss strebende, gesellschaftlichen Stillstand nur zu gerne duldende Wiener Wesen fängt seit Helmut Qualtinger sel. niemand besser ein als das Kollegium Kalksburg. Die neuen Kleinodien pendeln thematisch zwischen allen vorstellbaren oralen Vergnügungen, äugen auch mutig in die metaphysische Schlucht. Unter Berufung auf Vico Torrianis »Klingende Kochrezepte« schritt man, voll im Trend von Zacherls einfacher Küche, zur Vertonung des Rezepts »Schas mit Quasteln«.

Weiters philosophiert der scheniale Textdichter/Sänger W. Vincenz Wizlsperger über müde Schutzengel, Gesichtswäschen im Bidet und rätselhafte Vorgänge in Schankbetrieben. Im Bewusstsein der »Power of Positive Drinking« (Lou Reed) schrammeln Heinz Ditsch und Paul Skrepek elegant taumelnde Musik dazu.
Begeisternd: Zizalweis, ein Hohelied aufs langsame Sterben, und zwei Hommagen an den unvergessenen Wiener B'suff Joe Berger. Empfehlung!
Samir H. Köck,
Die Presse 5.Juni 2004

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