Momentan grad bald aktuell:

Samstag, 24. September 2016, 20:30, Kammgarn, Hard, Vorarlberg
Klangkombinat Kalksburg
Das wunderbare Kammgarn feiert seinen 20. Geburtstag, wir haben das schon alles hinter uns
– jedenfalls eines der viel zu raren Kombinatskonzerte, noch dazu bei freiem Eintritt!
kammgarn.at

drinnen
Inside! Photo: Max Moser

draussen
Outside!
Photo: Heidi Breuer

dasKlangKombinat
Oskar Aichinger
piano, vocals
Thomas Berghammer
trumpet, vocals
Hannes Enzlberger
bass, vocals
Christian Gonsior
saxophone, vocals
Clemens Hofer
trombone, vocals
Martin Zrost
saxophones, clarinets, vocals

dieKalksburg
Heinz Ditsch accordion, singin foxtail, vocals
Paul Skrepek drums, vocals
WVWizlsperger vocals, euphonium, comb

Ja, natürlich! Alle – von A wie Achinger bis Z wie Zrost – sind käuflich!
Wenden Sie sich vertrauensvoll an: Heinz Ditsch, tel.: 06991/920 77 47 oder email

schee is wos aundas

klangkombinat kalksburg
schee is wos aundas
vol. 1+2
2 CDs im Kartonschöberl, off shore 2012-2 ©2011
austrianworldmusic.at

vol.1
01
Hell auf   josef krainer | hans v.frankowski | arr. skrepek hörprobe
02
I hob kan Zins no zoid    hans v. frankowski | arr: aichinger hörprobe
03 Fleischhokka   wizlsperger | zrost | arr. zrost hörprobe
04 IG ham   wizlperger | gonsior
| arr. gonsior
05
Midn daunigschbaundn Parapli   franz mika | arr. aichinger
06 Dschango   
wizlperger | gonsior | arr. gonsior hörprobe
07 Kalksjazzsuite   
christian gonsior | arr. gonsior
08 In early years   heinz ditsch | arr. zrost
09 Arrivederci Roma   
pietro garinei, sandro giovannini | renato rascel | arr. zrost
10
inG   wizlsperger | skrepek | arr. skrepek
Gesamt ≈ 60'

vol.2
01 Hirn mit Ei   martin zrost | arr. zrost
02 Schee is wos aundas   antonio fian | ditsch, zrost | arr. zrost
hörprobe
03 Komm in den park von Sans Souci   robert stolz | arr. aichinger
hörprobe
04 Es schbüd si o   wizlsperger | zrost | arr. zrost hörprobe
05
Carla   hannes enzlberger | arr. enzlberger
06 Schnualosdelefonregnjodla   wizlsperger | skrepek | arr. skrepek
07 Zwischn d´finga   wizlsperger | kalksburg | arr. hannes enzlberger
08 Liebe ohne Leiden   hofer | jürgens | arr. zrost
09 Igentwie   wizlsperger | arr. hannes enzlberger

Gesamt ≈ 60'

... zurück zu den Tonträgern?

Klaus Nüchtern erinnert sich an Saalfelden 2014 in seiner
Enthusiasmuskolumne
Diesmal: das beste Platzkonzert der Welt der Woche
Der Vienna Vista Drinking Club im Pinzgau

Es gibt nicht viel, was die Stadtmaus der Landmaus neiden müsste: Auf Hagelschlag und Hochwasser kann man gerne verzichten, und Sex mit Paarhufern und Blutsverwandten ist in Wirklichkeit weniger aufregend als sein Ruf. Der Kirchgang und das Platzkonzert hingegen schaffen eine solide sozial-rituelle Einbet­tung für das vormittägliche Verräumen von Weinchen und Bierchen, wo dem Städter oft nur der Branntweiner oder andere neigungsspezifische Versammlungsorte von geringem Sozialprestige und fragwürdigem Feng-Shui bleiben. Zum fruchtbaren interkulturellen Austausch zwischen Stadt- und Feldmäusen kam es am vergangenen Wochenende im Pinzgau, wo neben dem zahlungspflichtigen Getröte für jazzophile Eingeweihte seit Jahren auch frei zugängliche Konzertdarbietungen am Hauptplatz von Saalfelden stattfinden. Am Samstag gastierte dort das Klangkombinat Kalksburg, das normalerweise im städtischen Raum mit Heurigenanbindung agiert, und man muss schon sagen, dass dieses Nonett den Bogen raus hat – zumal dieser von Burt Bacharach über Heller & Qualtinger bis Udo Jürgens reicht. Viola Falb und Clemens Hofer betörten im Duett mit „Liebe ohne Leiden", und Frontmann Vincenz Wizlsperger strafte alle jene Lügen, die den Kalksburgern alkoholverharmlosende, wo nicht -verherrlichende Tendenzen vorwerfen: In einer eingewienerten Version des Buena-Vista-Hits „Chan Chan" klärte er darüber auf, dass übermäßig genossener Alkohol sexuell zwar stimuliert, aber auch die erektile Performanz unterläuft: „Seit jehea woa um'd Gabi scho a Griß / und jetz geht's ham, so geil wia's kumman is." Können wir in Wien das bitte auch haben? Wöchentlich. Auf Plätzen in wechselnden Bezirken. Wir zahlen auch gerne Eintritt!
Kaus Nüchtern, Falter

Nachstehend noch drei schöne CD-Besprechungen:

Jetzt ist sie endlich da, die bei der Präsentation noch nicht fertige Dokumentation der Liaison des Kollegium Kalksburgs mit dem Jazz. Was jetzt aber schon ein Blödsinn ist, weil die Herren Ditsch, Skrepek und Wizlsperger ja selber vom Jazz kommen, nur haben sie sich eben in der schlanken Trio-Besetzung schon seit 15 Jahren dem traditionellen Wienerlied mit höchst individuellen Interpretationen von Bestehendem und jeder Menge Eigenkompositionen gewidmet. Um in der Fallweisen Weinerlichkeit nicht zu versumpfen bietet sich ein Seitensprung mit diesem großartigen Sextett geradezu an. Und die Mixtur auf dieser Doppel-CD ist äußerst bekömmlich: Der Bogen spannt sich bei den Fremdkompositionen von Ernst Kölz über Robert Stolz bis zu Udo Jürgens, jede Menge Selbstverfasstes und -komponiertes sowieso. Hier prallen geschliffene Bläsersätze und -soli auf das virtuose Akkordeonspiel von Heinz Ditsch und das energiegeladene Blasen des Kamms von Bühnengigant Wizlsperger, immer souverän zusammengehalten von Kontrabass und Beserldrums. Conferencier Wizlsperger kann mit seiner Bühnenpräsenz und stimmlichen Wandlungsfähigkeit anscheinend eh kaum etwas falsch machen. Vor allem auf Vol.1 werden immer wieder kurze, erfrischende kakophonische Freejazz-Ausflüge eingestreut. Damit ist «schee is wos aundas vol. 1+2» genauso ein gültiges Statement für optimistische, ausgelassene Spielfreude wie für renitentes Berserkertum. Stefan Koroschetz | skug.at

Klangkombinat Kalksburg: Wiener Seligkeit

Wie die famosen Strottern mit ihrer Verbindung zur Jazzwerkstätte macht es nun auch das geniale Klangkombinat Kalksburg mit seinen Freunden Oskar Aichinger, Thomas Beghammer und Martin Zrost. Zusammen mit drei weiteren Kollegen aus der Jazzszene haben die Herren Wizlsperger, Ditsch und Skrepek eine nächtliche Reihe im Wiener Porgy & Bess bespielt, bei der sie Wiener Verzweiflung mit Free-Jazz-Seligkeit melangiert haben. Die Highlights sind sonder Zahl. Das bluesig groovige «Es schbüd si o», das rasante «Kalksjazzsuite» oder gar die nach New Orleans duftende Version von Udo Jürgens «Liebe ohne Leiden», die Wizlsperger mit aller Seriosität angeht. Manches Lied enthüllt Weisheiten des ewig Menschlichen. Etwa der in eleganten Brass gehüllte Akzentschlager «Igentwie», in dem das unerbittliche Weiterschreiten der Zeit angeklagt wird. Dazu weinen die Saxofone, rülpst das Euphonium, gibt es vitale Soli am Kamm. Schalk oder Avantgarde? Auf jeden Fall beides.
Samir H. Köck | diePresse.at

Klangkombinat Kalksburg: schee is wos aundas vol. 1+2
Im vergangenen Jahr schlüpfte die famose dreiköpfige Wienerliedcombo Kollegium Kalksburg, die in diesem Frühjahr ihr fünfzehnjähriges Bestehen gefeiert hat, für einige Monate in die Rolle der Porgy & Bess Stageband. Gemeinsam mit einer Gruppe auserlesener Mitmusiker machten sich die drei Herren Heinz Ditsch, Paul Skrepek und Wolfgang Vincenz Wizlsperger sich unter dem Titel Klangkombinat Kalksburg daran, dem Wienerlied einen jazzigen Anstrich zu verpassen. Mit eindrucksvollem Ergebnis. Was Kollegium Kalksburg auf ihrer Ende Mai erscheinenden Doppel-CD „schee is wos aundas vol. 1+2“ (Off Shore) gemeinsam mit solch herausragenden Kollegen wie Oskar Aichinger, Thomas Berghammer, Hannes Enzlberger, Christian Gonsior, Clemens Hofer und Martin Zrost auf den Weg bringen, ist ein wunderbares und ungemein abwechslungsreiches Stück Musik voller virtuoser Spielfreude, Ausgelassenheit und viel Humor.
Kollegium Kalksburg war ja schon immer eine Formation, die dafür bekannt war, dass sie es mit stilistischen Grenzziehungen nicht allzu genau nimmt. Die Art und Weise, mit der es Heinz Ditsch, Paul Skrepek und Wolfgang Vincenz Wizlsperger verstanden, dem traditionellen Wienerlied durch ihre facettenreichen Neubearbeitung frisches Leben einzuhauchen, offenbarte sich nicht selten als ganz großes Kino. Mit einer ordentlichen Portion Humor, ungemeiner Experimentierfreudigkeit und angetrieben vom Geiste der Erneuerung, gelang es dem Trio einen musikalischen Bogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart zu spannen. Ein Ansatz, der das Wienerlied letztlich auch solchen Leuten näher gebracht hat, die im Grunde genommen bislang wenig bis gar nichts mit dieser Musikrichtung am Hut gehabt haben.
Als Stageband des Porgy & Bess ging die Formation, dann noch einen Schritt weiter und versuchte einen Brückenschlag hin zum Jazz. Was sich zunächst nach einem gewagten Experiment klingt, offenbart sich eigentlich als logische Konsequenz, stammen die drei Hauptprotagonisten Heinz Ditsch, Paul Skrepek und Wolfgang Vincenz Wizlsperger doch allesamt aus dem Jazz. Damit die ganze Sache auch so richtig rund wird, holte man sich die Unterstützung von herausragenden Persönlichkeiten der heimischen Jazzszene. Gemeinsam mit Oskar Aichinger (Piano), Thomas Berghammer (Trompete), Hannes Enzlberger (Bass), Christian Gonsior (Saxophon), Clemens Hofer (Posaune) und Martin Zrost (Saxophon) nahm sich das Trio altbekannte Fremdkompositionen, von unter anderem Ernst Kölz, Robert Stolz und Udo Jürgens, wie auch eine Reihe erstklassige eigene Nummern zur Brust, um sie überarbeitet, in einem neuen klanglichen Licht erstrahlen zu lassen.

Zu hören ist das Resultat auf der neuen Doppel-CD „schee is wos aundas vol. 1+2“. Die insgesamt 19 Stücke sind ein wunderbares Beispiel dafür, welch kreatives und innovatives Musizieren ganz ohne Scheuklappen noch möglich ist. Wie selten zuvor gehört, verschmelzen die Melodien und die Einfachheit des Wienerlieds und die Komplexität und das freie Spiel des Jazz in bester Crossover-Manier zu einer homogenen und ungemein mitreißenden Einheit. Ein musikalischer Spagat, den man in dieser Form sonst nur selten zu hören bekommt. Vor allem auch deswegen, weil das Klangkombinat Kalksburg den Charme und die Originalität des Wienerlieds nicht verloren gehen lassen. Auch in den überarbeiteten Versionen wird immer noch voller Ironie geraunzt, was das Zeug hält. Und das mit großem Stil.
„schee is wos aundas vol. 1+2“ ist schlicht ein wunderbares Stück Musik geworden, dem unbedingt Gehör geschenkt werden sollte. Denn schon lange nicht hat das Wienerlied so lebendig, frisch und spannend geklungen. (mt)
auf musicaustria.at

freudiges erstaunenfinger weg vom alkohol
oskar aichinger schaut, martin 'finger weg vom alkohol' zrost singt (vermuthlich ein lied)

mit musik geht alles besserder hofer
im dickicht der städte: hannes enzlberger basst sich ein, clemens hofer zieht

fagott und fatalandschadefrohwer (wie hier herr ditsch) das fagott hat, hat auch den spott (vom herrn skrepek)

heitere stilleper aspera ad astramjetsch wia?
dienstplan: christian gonsior zeigts, herr zrost toots und so weiter ...

casablancaim namen des vaters
zwei vollblutanimatöre

in die entgegengesetzte richtungaus dem wind
und wo ist der berghammer? ganz am schluß, dafür aber gleich dsweimal!

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... und weil das digitale Papier ja noch geduldiger ist als das holzgeschnitzte, bringen wir nachstehend noch eine kleine Entstehungs- resp. Entwicklungsgeschichte unseres KlangKombinats (vorm. Kalksjazz Stageburg) anhand von Konzertankündigungen:

Freitag, 25. December 2009, Porgy & Bess
Kalksjazz Stageburg, Support: Kollegium Kalksburg

Die Fakten:
Das Kollegium Kalksburg wird in der ersten Hälfte des Jahres 2010 gemeinsam mit einer Handvoll Welt- und Ausnahmemusikern (siehe oben) das Ensemble «Kalksjazz Stageburg» bilden und monatlich (Stageband) im Porgy & Bess konzertieren. Ein informelle Probe und quasi kleine Vorschau auf das was da noch kommen mag wird am 25. December auf der Bühne des obgenannten Etablissements vonstatten gehen: Die erste Abendhälfte wird das Kollegium in gewohnter Weise allein zerstreiten, nach einer den Umständen entsprechend langen oder kurzen Pause sollte es dann aber gehöhrig scheppern!

Die Hintergründe:
Nachdem sich die drei Kalksburger im letzten Jahr erfolgos um den Vorsitz der Death-Metallergewerkschaft bemüht haben, wollen sie jetzt ihren ganzen Frust auf der Jazzmusik abladen – und Direktor Huber gibt den drei Hüflern auch noch alles Nötige dazu zur Hand: Runderneuerte Gitarren- und Bassamps, frisch mit Franzbranntwein desinfizierte Mikrophone (Gesangsbehelfe), eine ordentlich aufgeräumte Bühne mitsamt überqualfiziertem technischen Personal, eine Verstärkeranlage, die was alle Stückerln spielt, Mischpulte mit vielen bunten Reglern und Knöpfen, Alkohol bis zum abwinken, 100 000 Watt Beleuchtung, und – last button liest – einen Haufen Geld (InsiderInnen srechen von 30.000 Silberlingen pro Abend). Gründe für diesen Verrat an allem was recht ist sind bislang nur in der Gerüchteküche zu finden: Die Einen sprechen von Freimaurerei (Direktor Huber und die Kalksburger sitzen angeblich in der selben Proszeniumsloge); die Anderen vermeinen hinter dieser aberwitzigen Programmierung deutlich die Hubersche Amtsmüdigkeit erkennen zu können (der Wiener Jazzzampano möchte über diesen Umweg seinen Rausschmiß mutwillig herbeiführen!); Dritte wiederum behaupten, da hätte sicher der russische Geheimdienst die Hand im Spiel gehabt; der erdrückenden Mehrheit der Vierten aber ist das eigentlich eh alles Wurscht ...

Freitag, 29. Jänner 2010, Porgy & Bess
Kalksjazz Stageburg «dschango»

Nicht alle Jahre wieder Kalksburg im Porgy & Bess, sondern – eh nur bis zur Sommerpause – jedes Monat einmal versucht ein kleines Buncherl von Welt- und Ausnahmemusikern (s.o.) die drei kollegialen Vorstadtschlurfe behutsam in die Welt des Jazz und der Musik einzuführen.
Ist ihnen dieses schwierige Unterfangen bei der Vorpremiere am 25. December schon zum Theil geglückt – den kleinen Rückfall in den gefürchteten Kalksburger Brachialismus (für die, die nicht dabei waren: Herr Ditsch nahm während Oskar Aichingers durchaus stimmiger Interpretation von Eden Ahbez´ «Nature Boy» eine Mischmaschine in Betrieb, worauf Skrepek und Wizlsperger sich –nicht ohne Begeisterung, aber dennoch erfolglos – mit einer Kreissäge und einem Presslufthammer um ein paar interessante Kontrapunkte bemühten) wollen wir in Anbetracht der nach Aussage der Musiker viel zu kurzen Probezeit hier lieber verschweigen – so verspricht die Jännerliche Programmpremiere vieles zu halten, was uns seit Jahren versprochen wird. Treten Sie ein, es zahlt sich aus!

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Dienstag, 16. Februar 2010, Porgy & Bess
Stagekalk Bandburg «Ing. Fasch»

Monat für Monat die selbe Band mit eminem anderen Text ankündigen zu müßen, dass kann schon ganz schön ur porno arg anstrengend sein! Diesmal aber fällt´s mir leicht, da wir von Rechts wegen verpflichtet sind, folgendes zu verlautbaren: Die Porgy&Bess Stageband 'Kalksjazz Stageburg' muß leider aus diversen – von den zuständigen Stellen nicht näher genannten – Gründen an diesem Abend unter dem idiotischen Namen 'Stagekalk Bandburg' auftreten.

Soweitsogut! Nichtsdestotrotz wird sich das oben upgelinte Buncherl von Welt- und Ausnahmemusikern (Bandburg) wieder einmal – mit wechselndem Glücke – bemühen, die drei kollegialen Vorstadtschlurfe (Stagekalk) behutsam in die Welt des Jazz und der Musik einzuführen!
Soda, und jetzt schdirln wir noch ein bisserl im Zitatenschatzkästchen:

«Ist es ein Fortschritt, wenn ein Kannibale Messer und Gabel benutzt?» – Stanislaw Jerzy Lec ist es, der uns dieses frägt, und wie fast immer läßt uns Albert Einstein nicht lange auf die Antwort warten: «Wenn man zwei Stunden lang Kalksjazz Stageburg – pardon: Stagekalk Bandburg hört, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.» Und was meint eigentlich Rilke dazu? «Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe!» Das meint Rilke dazu! Und als ob es nicht schon längst mehr als genug wär, meldet sich schließlich auch noch Demokrit zu Wort: «Ein Leben ohne Kalksburg ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus.» Treten Sie ein, es zahlt sich aus!

Freitag, 19. März 2010, Porgy & Bess
Knakkwurst Presssakk «march funebre»

Im Februarprogrammtext kamen wir zu folgender Erkenntnis: «Monat für Monat die selbe Band mit eminem anderen Text ankündigen zu müssen, dass kann schon ganz schön ur porno arg anstrengend sein!» Und ja, in der Tat, das ist es. Aber wie schon so oft, so hilft uns auch diesmal wieder Rilke weiter: «Dass etwas schwer ist, muß ein Grund mehr sein, es zu tun.» Genau! Und, jetzt einmal offen gesprochen, schwer ist bald einmal etwas, und je mehr Schwierigkeiten wir haben, desto mehr Gründe haben wir zu leben. «Sterben ist aber auch nicht leicht!» werden jetzt gleich wieder ein paar 9malkluge und 7gescheite einwenden «Ist das jetzt ein Grund mehr, es zu tun?» Kurz und knapp: Nein, nein und 3mal nein! Und überhaupt, wir haltens mit Nietzsche und «hören nur die Fragen, auf welche wir im Stande sind, eine Antwort zu finden».
Soda, wir addieren: 9+7+3 macht: 19! – und jetzt aber interessant:
Genau am 19. März dieses Jahres wird wieder 1mal 1Buncherl von 6 Welt- und Ausnahmemusikern (s. o. unter 'Knackwurst') gemeinsam mit den 3 oben unter 'Presssack' angeführten Kalksburger Vorstadtcasanovas (Georg Danzer: I bin a Vuaschdodcasanova und drum bin i wea, weu ned a jeda hod füa sowos des Talent ...) ca.7 neue Kapitel Musikgeschichte schreiben. Treten Sie 1, es zahlt sich aus!
W.V.Wizlsperger, staatl. gepr. Numerologe

PS: 19+1+1+6+3+ca.7+1 macht: 38! – fast genau am 3. August gebar Harriett Sophia Mingus-Philips ihren einzigen Sohn Charles.

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Dienstag, 27. April 2010, Porgy & Bess
Kalksjazz Stageburg «liebe ohne leiden»

Jetzt auch schon wieder zum vorletzten Mal werden die obgenannten Herren ihr Programm mit Udo Jürgens´ gleichermaßen bekannt- wie beliebter Schnellpolka erschöpft aber glücklich beschließen – und danach wird endlich einmal das Abendmotto mit dem tatsächlich gespielten Abendprogramm zumindest zum Teil (ca. 1/13tel) irgendetwas zu tun gehabt haben.
Viel Lob wurde uns gespendet, aber auch ein gerüttelt Maß an Tadel zugetragen; teils zu Recht (Lob), oft auch übertrieben kleinlich (Tadel) – und da fällt mir wieder Rilke ein, der schon vor einigen Jahren erkannte: «Die schärfsten Kritiker der Elche / wären gerne selber welche!» was dann wiederum nicht nur F.W. Bernstein zu seinem nicht weniger rätselhaften «Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche!» sondern auch die Ausseeer Hardbradler zu ihrem Nummer 1 Hit «Der Hirsch / ist auf der Pirsch» inspirierte, was wiederum mich ein bisserl hat nachdenklich werden lassen, worauf ein mir nicht näher bekanntes höheres Wesen meine kleine Schwäche rücksichtslos auszunutzen wußte und mir befahl, den Zweizeiler «Ficken ist lustig und tut ziemlich gut / in der Regel bewegt man die Nudel nach Fut» auf ein jungfräuliches Blatt Papier zu schreiben und dieses dann sofort zu vernichten – und ich tat / wie mir geheißen ward ... Und sonst? Danke, gut!
Treten Sie ein, es zahlt sich aus!

Donnerstag, 27. Mai 2010, Porgy & Bess
Kalksjazz Stageburg «may or ship»

Jetzt auch schon wieder zum letzten – oder vielleicht doch vorletzten Mal (möglicherweise wird der Junitermin doch nicht dem Fußballgott geopfert) wird sich das obgenannte Buncherl von Welt- und Ausnahmemusikern (siehe: Stageburg) von A wie Aichinger bis Z wie Zrost bemühen, die drei kollegialen Vorstadtschlurfe (siehe: Kalksjazz) behutsam in die Welt des Jazz und der Musik einzuführen! Aber, und das haben die längst als 'Überstanden!' ins Musikgeschichtebüchel eingetragenen vorhergegangenen Konzerte deutlich gezeigt, wieder wird´s vergebliche Liebesmüh sein: Einerseits weil die Herren Ditsch und Skrepek sich ohnehin sehr schnell in der Welt des Jazz und der Musik daHeim/zuHause gefühlt haben bzw. – wie oft zu hören war – sich dort schon seit eh und jeh einen luxuriösen Zweitwohnsitz halten; und andererseits, weil der dritte Vorstadtschlurf seinen Ruf als kunstferner, alkoholaffiner Dopplerdilettant inzwischen so nachhaltig festigen konnte, dass es jetzt eigentlich blöd wär und das p.t. Publikum nur verunsichern würde, wenn er sich jetzt, so kurz vor Schluß und Aus, noch ändern tät.

Apropos Tagesaktualitäten: Demmoment richtet die männliche Schankhilfe der Wirtin meines Vertrauens quer über ihre Kernkompetenz hinweg mit fragendem Unterton das Wort an mich: "Sind wir heute nicht gut Aufgestellt? Machen wir heut´ denn gar keinen Nietzsche ran?" und die Wirtin mischt sich vorwurfsvoll drein: «Vielleicht müsserten wir am Ende des Tages gar noch ein bisserl ein Geld in die Hand nehmen, damit sich der Herr Gut von Gast noch ein deppertes Zitaterl aus seinen Häuslfingerln zuzeln tut, oder wen oder was!?» ... also gut, bittesehr, sollt ihr euren Nietzsche haben – aber nur um des heiligen Friedens willen: «Die Predigt der Keuschheit ist eine öffentliche Aufreizung zur Widernatur. Jede Verachtung des geschlechtlichen Lebens, jede Verunreinigung desselben durch den Begriff 'unrein' ist das Verbrechen selbst am Leben – ist die eigentliche Sünde wider den heiligen Geist des Lebens.»
«Amen» murmelt Gerri 'Cotton' Woratschek und läßt langsam die Tarockkarten sinken «Und wos sogt eigentlich da Reina Maria zu dem gaunzn Wahaunsinn?» «Falls sie Rilke meinen» entgegne ich ihm in der Art, wie hier der Veltliner serviert wird, also kühl und trocken «Nichts natürlich! Damals hat es ja noch gar kein geschlechtliches Leben gegeben!» worauf die Wirtin mit dem Klassiker «Schbeaschdund is! Ich räum langsam ab!» droht. – Und wir trinken unverzüglich!
Treten Sie ein, es zahlt sich aus!

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Samstag, 26. Juni 2010, Porgy & Bess
Kalksjazz Stageburg «rooh somethd»

Die Leute scheitern gewöhnlich kurz vor dem Erfolg. Widme also dem Ende so viel Sorge wie dem Anfang, dann gibt es kein Scheitern. Laotse, Tao Te King
Aus. Vorbei. Schluss. Ende. Unvergessen!
Vielleicht endgültig zum wahrscheinlich letzten Mal wird das Klangkombinat Kalksjazz Stageburg in den Räumen der geschützten (vor Donauinselfest & Wödmasdaschofd) Stagebandwerkstätte Porgy & Bess fast Alles (ausser das Letzte) geben. Höchste Zeit und Eisenbahn also für verbindliche Danksagungen!

Wir danken herzlichst:
Allerallaherstens natürlich dem p.t. Publikum, das manche Abende sogar mehrfach besucht hat und meistens bis zum Schluss geblieben ist! Weiters: Dem Herrn Direktor Huber für seine launigen Ansagen und dafür, dass er uns für wenig Geld so viel Vertrauen geschenkt hat; dem Herrn Toningenieur Ulrich Göbel für seine grenzenlose Geduld und seine unüberhöhrbare Kompetenz; den wechselnden BeleuchterInnen und Bühnenhänden, die namentlich zu nennen aus arbeitsrechtlichen Gründen leider nicht möglich ist; den Damen und Herren hinter der Porgybudel, die, und das nicht nur einmal, ausnahmsweise sogar an Betrunkene und Angeheiterte alkoholische Getränke abgegeben haben! Weiters: Herrn Max Moser, der uns ganz oft genau so photographiert hat wie mir wirklich sind; allen Bandmitgliedern, die (wir wissen, wer gemeint ist) in nächtelanger, einsamer, unbezahlt- und bislang auch unbedankter Arbeit so viele schöne Arrangements geschrieben haben; allen Bandmitgliedern, die (w.w.w.g.i.) keine schönen Arrangements geschrieben haben und nächtelang was anderes gemacht haben, dafür aber umso schöner gespielt haben; und, lahsd battnd liest, unseren Eltern (w.w.w.g.i.), ohne die vieles nicht möglich gewesen wäre.
Und jetzt (resp. dann)?
«Soll das alles dann verschwinden, versinken in der Großhirnrinden?»
Komm sieh, komm sah! wie der Lateiner/die Lateinerin sagt ... jetzt gibts dann irgendwann einen Tonträger mit einer Auswahl der schönsten (d.h. halbwegs fehlerfrei gespielten) Lieder und Instrumentalstücke.

«... ach, alles wurd´ auf Band gebannt? Na, da sind wir schon gespannt!»

Ja, wir auch! ... und weil jeder Abschied ja irgendwie sozusagen angeblich quasi ein kleiner Tod sein soll, lassen wir den Herrn Nietzsche, wie schon so oft, das mehr oder weniger passende letzte Wort haben: «Durch die sichere Aussicht auf den Tod könnte jedem Leben ein köstlicher, wohlriechender Tropfen von Leichtsinn beigemischt sein - und nun habt ihr wunderlichen Apotheker-Seelen aus ihm einen übelriechenden Gift-Tropfen gemacht, durch den das ganze Leben widerlich wird.»
Treten Sie ein, es zahlt sich aus!

PS: Nur die fehlende Hoffnung auf ein Wiedersehen macht einen leidvollen Abschied.
Achim Schmidtmann, spruecheportal.de

Donnerstag, 14. Oktober 2010 Blue Tomato
Das Große Kalksjazz Stageburg (neuerdings: KlangKombinatKalksburg) Revival: Tuturieu

«Du, Schatz, gehst mit mit mir am 14. ins Casino? Da gibts 1000 Euro Begrüßungsjetons und ausserdem habens 7fach-Jackpot!»
«Ganz unmöglich, Liebes! Am 14. muß ich ins Blue Tomato auf ein Konzert. Du, ich glaub, das wird was ganz was Bsonderes.»
«Ganz was Besonderes? Gibts denn Nackttänzerinnen?»
«Aber geh, Dummerl, so was Blödes!»
«Na, dann wird vielleicht eine Live-CD aufgenommen, und du willst 'Frechheit, sowas!' in die Aufnahme reinschrein?»
«Nein, das is ja schon fad.»
«Kommt der ORF – oder gar der Landeshauptmann!?»
«Auch nicht, da is ja viel zu wenig Platz dorten drinnen.»
«Ah, jetzt weiß ichs: Der HahCeh kommt und zahlt drei Krügel Bier!»
«Aber woher denn, der is ja schon lang tot. Leider!!! Und wieso sollt er drei Krügel Bier zahlen? Das hat er ja gar nicht notwendig ... und leisten könnt er sichs wahrscheinlich auch nicht.»
«Jetzt fallt mir schon bald nichts mehr ein ... oder doch: die Fanny! Die Fanny wird dort sein!»
«Was kommst mir immer mit der Fanny daher! Ich hab dir schon hundertmal erklärt ... und überhaupt, ich hab ja gsagt 'was Bsonderes'»
«No, dann hab mich gern, sollst glücklich werden mit deine Hannys und Fannys! Ich geh ins Casino und zwick mir einen reichen Chineser auf!»
«Erstens: Ich hab dich nicht gern sondern 'Ich Lieb Dich'! Und zweitens: Du braucherst ja nur einmal fragen ...»
«Hahaha! Aber bitte: Was wird denn also so bsonders sein am 14. in der verrauchten Tschumsn?»
«Na ja, ALLES ... oder ... genauer gesagt ... eigentlich eh niggs ....................... »

Sonntag, 19. Feber 2012, 11:00 a.m., Porgy & Bess
Klangkombinat Kalksburg «frooh show pen»

Jetzt werden die Tage auch schon wieder länger! Aber – ganz egal wie kurz oder lang der Tag gerade ist – geredet wird sowieso immer viel; so war z.B. zu hören, dass das Klangkombinat Kalksburg (ehemals Kalksjazz Stageburg) jetzt eine kleine Frühschoppenserie im Porgy anreisst. Quasi so gut wie fix fixiert ist bis jetzt aber einmal nur der 19. Febra.
Weiters gilt als mehr oder weniger gesichertes Gerücht, dass der Herr Intendechant Huber den p.t. Concertbesucher_innen 1 (in Worten: ein) 50 Liter-Fass Bier (sollten Sie jetzt einmal hergehen wollen und rechnen, dann wären das normal fast 100 Krügeln) spendieren will. Hoch! Bravo!
Was wird weiter so geredet? – z.B. dass die Überlegung im Raum herumsteht, ob es nicht recht und billig wär', extrakt für diese eine Veranstaltung die schönen Porgy-Möbel durch Biertische und -bänke zu ersetzen und – dazu passend – das weltläufig-freundliche Porgy-Personal trachtig-resch in Lederhosen und Dirndln aufmarschieren zu lassen. Bravo! Wacker!
Kurz angedacht, aber am 'Ende des Tages' infolge finanztechnischer Überlegungen gleich auch wieder verworfen, wurde der Gedanke einer Zutrittsbeschränkung: Nur wer vorher die hl. Messe (Samstagabendmesse gilt nicht!) besucht hat und dafür auch einen glaubhaften Nachweis (Stempel?) erbringen kann, sollte danach auch in den Genuss der musikalischen Früchte kommen dürfen. Ein durchaus rechtschaffener Gedanke, der aber leider ohne ein christlich-abendländisches Kultursponsoring nicht zu verwirklichen sein wird.
Und die Musik? Da werden wohl so wie immer Äpfel quer durch den Gemüsegarten mit Birnen verglichen werden.
Ein Prosit, ein Prohosit der Gemüh-hüh-thlich-keiht!

Sonntag, 14. Oktober 2012, 11 a.m. Vormittag, Porgy & Bess, Vienna
Klangkombinat Kalksburg «frooh show pan»


Der faule Schlaff ist nicht den wachen Musen hold
Die frühe Morgen-Zeit bringt Phöbus-Söhnen Gold.

... da es nicht sehr viel Neues zu berichten gibt, lassen wir uns vom Datum unseres nächsten – und letzten vor der Sommerpause – frooh show pans inspirieren und gedenken dem wohl bedeutendsten Vertreter der Zweiten Schlesischen Schule, Hans Aßmann Freiherr von Abschatz, dessen Todestag sich just am 22. April zum 313. Mal jährt. Er schrob viele bemerkenswerte Langgedichte, die aber, wie sich denken lässt, an dieser Stelle zu viel Zeit und Raum beansprucherten und dessenthalben von uns auch gäntzlich weckgelaßen geworden sint; aber ein paar Sprüche – deren Sinn sich modernen Ohren nicht immer gantz zur Gänze erschließt, wie z.B.: 'Ist ein Kressel in der Taschen / Mustu nicht Lampreten naschen.' – also ein paar Sprüche gehn sich schon aus: Zum Thema Frühschoppen bemerkt der Dichter treffend: 'Glücke wird gar selten alt / Lust und Schmertzen wechseln bald: / Den der Morgen hoch sieht fliegen / Schaut der Abend wieder liegen.' Für Oskar Aichinger hat der Freiherr auch ein gutes Wort: 'Man mißt den Mann nicht nach der Elen aus; / Offt hat ein grosser Geist ein kleines Haus.' Für Sänger_innen: 'Laß deinen Mund verschlossen seyn / So schluckst du keine Fliegen ein.' Für Alkoholiker_innen: 'Soll die Mühle fertig gehn / Darff sie nicht im Trocknen stehn.' Für Dichter_innen: 'Der Schleiffstein schärffet nicht / man muß ihn vor begüssen; / Trinckt ein Poete nicht / so wird der Reim nicht flüssen.' Aber nicht nur HallyGally, auch so manches, das was zum Nachdenken verleiten könnte, ist beim Aßmann noch zu finden: 'Wie vielen hat der Wein das Leben abgestohlen / Es fallen ihrer mehr durch Gläser als Pistolen.' Auch eine Mahnung für alle Kreuzfahrtkapitän_innen hat unser Jubilar parat: 'Nicht zu weit auff hohe See / nicht zu nah auch am Gestade! / Dort kömmt offt von freyem Sturm / hier von blinder Klipp ein Schade!' Überhaupt, unser Abschatz dürfte über eine verblüffend grosze seherische Gabe verfügen, auch wenn die diversen National-, Fundamental-, Kapital-, Fesch- und sonstige -ismen damals wohl noch nicht so erforscht waren, wie sie es heute sein sollten: 'Alles wird numehr schlimmer auff der bösen Welt / Welche stets zurück und in tieffern Abgrund fällt.' Ja, ja. Wir aber werden wie immer bemüht sein, einen juliennenen Querschnitt aus selbstgezogenem Kraut und gestohlenen Rüben zu bieten.
Bleiben Sie uns gewokt und vielen Dank für Alles.
Für das Kombinat: Wolfgang Winzmann Freiherr von Perger


Sonntag, 16. Dezember 2012, 11 a.m. Vormittag, Porgy & Bess, Vienna
Klangkombinat Kalksburg 'viennese breakfast'

Für mich ist der Sonntag ein Herr mit Zylinder, der sein blasses Söhnchen in Matrosenbluse und langer Hose durch die aquarellfarbene Landschaft spazieren führt. Am Pier verweilen sie, bestaunen die Segelschiffe, die Ingwer, Rum, Tee und Zuckerrohr in den Hafen gebracht haben. Kerzengerade steigt der Rauch aus den Schloten in den blassblauen Himmel auf. Es riecht nach Talg und nach Pfeffer. Ein welscher Gaukler dreht die Kurbel des Leierkastens mit einem angeketteten Äffchen obenauf und singt quäkend sein Lied dazu. Auch der Wind macht sich bemerkbar, zerrt an den Segeln, schlägt sie an den hölzernen Mast. In den Kornspeichern mampfen gierig die Ratten. Eine Frau mit Seidenkleid, um die vierzig, ein Gebetbuch an die Brust gepresst, steht mit gesenktem Blick mitten in einem weiß verhängten Zimmer und denkt: «Dieser elende Schuft.» In der Konditorei sitzen rotbackige Mädchen und Jungen, nippen an ihren Gläschen mit Kaiserbirnlikör. Draußen beginnt es zu regnen ...
Sándor Márai

... im Porgy ist es trocken! Klángkombinat Kálksburg

Sonntag, 10. März 2013, 11 a.m. Vormittag, Porgy & Bess, Vienna
Klangkombinat Kalksburg 'chic sull'
Liebes Tagebuch, jetzt muss ich schon wieder einen Ankündigungstext für den sogenannten 'frooh show pen' im Porgy schreiben. Weißt Du noch, wie schwer es mir schon letztens viel (haha), mir irgendwas aus den Fingern zu zuzeln? Über die Musik will ich ja nicht reden, da kenn ich mich zu wenig aus; ja, ich hab mich dann in die Beschreibung meiner Krankheiten geflüchtet – nicht ganz erfolglos, denn es sind dann doch nicht ganz wenige, um nicht zu sagen fast fiele (s.o.) Menschen gekommen um uns zu hören und zu schauen. Möglicherweise nur aus Mitleid, aber die Hauptsache ist, sie waren überhaupt da, weil wenn uns niemand zuhören würde, bräuchten wir ja gar nicht spielen, weil wir kennen die Stücke ja eh schon sehr gut, wie Du weißt. Allerdings, was jetzt das ganze Finanzielle betrifft, da kann mich so ein Gig auch nicht aus meiner Misere retten, weil wir ja zu neunt sind und dementsprechend blöderweise die eh schon recht magere Gage auch noch durch neun teilen müssen und – ich hab mich ja schon oft bei Dir darüber beklagt – noch dazu zu gleichen Teilen, also so, dass ein jeder von den Einzelnen genauso viel kriegt wie der Andere allein. Oder, besser formuliert, ich krieg genauso wenig wie alle Anderen und keinen Cent mehr, obwohl ich der Liedsänger bin! Das musst Du Dir so vorstellen, wie wenn der James Last mit seinem Orchestra in der ausverkauften Westfalenhalle konzertiert und der Triangelspieler kriegt dann danach in der Garderobe – wo noch dazu ein riesiges veganes Buffet aufgebaut ist – genauso viel Geld auf die Hand wie der Meister persönlich – Absurd! wirst Du ausrufen, und Ja, absurd! kann ich Dir nur beipflichten. Aber so und oft auch noch viel ärger, respektive ungerechter ist halt das Leben. Wie oft hab ich es schon bereuen müssen, dass ich damals nicht auf meine Eltern gehört hab und ihrem Wunsch gemäß Solokabaretistt geworden bin. Aber nein, Musiker, Musiker! hat er werden müssen, der (Voll)Trottel. Aber gut, ich war jung (kannst Du Dich erinnern?) und brauchte kein Geld. Aber jetzt ist alles anders: Krankenversicherung, Heilbehelfe, Rezeptgebühren, Kuren, Bäder, usw. usf. Das geht ins Unermessliche, und woher nehmen, wenn nicht stehlen? ... wie meinst Du das: Na eben ...? – egal, reden wir morgen weiter, ich hab jetzt einen Termin zur Nebenhöhlenbestrahlung.
Alles Liebe, Dein Wolfi

Es nützt nicht viel, doch schadets kaum. Kommen Sie trotzdem. Bitte!
dasKombinat


September 2013: 'im ernst'
Das von dem Musiker und Komponisten Richard Graf der musik aktuell-Ausschreibung für das Jahr 2013 gegebene Thema «Ernst?! Esprit und Witz (in) der Musik – oder: Darf Neue Musik unterhaltsam sein?» hat uns – weil wir ja in den Gründen unserer Herzen recht lustige Kampln sind – sofort angesprochen und mit den Assoziationsketten nur so rasseln lasseln: Ernst ist das Leben, heiter der Waldbrunn – wir komponieren gar nichts und machen alte Farkas-Waldbrunn Dopplerconferencen; so könnten wir circa 7 Musiker einsparen und noch dazu den Witz 'der Karl macht sich einen Karl mit dem Ernst' endlich einmal anbringen! ... wurde leider verworfen, geblieben aber ist die Idee, nichts komponieren zu müssen ... Daraus folgte: Wir machen eine Punk-Pig-Band und vertonen 'In Stahlgewittern' von Ernst Jünger! – Das klang recht vielversprechend, scheiterte aber an der ohralen Empfindlichkeit einiger Mitmusikermimoserln. Dann wieder etwas arbeitsrüchiges: Wir könnten dreizehn (wieso dreizehn? nau wegn 2013 ... Aha!) Bilder von Max Ernst vertonen – Nein, das hat schon der Muskorkski oder so gemacht! Na dann halt vom Fuchs, der heißt auch Ernst ... ja, aber nicht per Nachnahme (kein Brainstorming ohne Alkohl). Also weiter, ganz apropos: Gibts nicht irgendwo ein Gasthaus Ernst (Anm.: Ja, in St. Margarethen im Burgenland. Quelle: Wikipedia) und wir nennen das ganze 'im ernst' und vertonen die Speisekarte? – wurde aus Gründen alter Hut auch verworfen, das hat das Kollegium Kalksburg schon vor Jahren mit der 'Odyssee im Schankraum' erledigt. Hängen geblieben aber ist der Aufhänger 'im ernst', dann ist die Sitzung abgebrochen. Wieder nüchtern, machten wir uns an die Auswertung: Der Titel 'im ernst' kann bleiben! (7 Ja!-Stimmen, 1e Enthaltung, und 1er, der Kärntner, hat den Raum verlassen) Wir wollen nichts komponieren! (9 Ja!-Stimmen) ... und dann sind wir – auf Vorschlag des Kärntners – was essen gegangen (es war Pfingsten). Ganz unvermutet, zwischen Dessert und Kaffee, überkam uns dann die Hirnidee: Wir nehmen einige der schon vorhandenen und höchst bewährten Kompositionen von Ernst Kölz, die Herren Aichinger, Enzlberger und Gonsior übernehmen die heikle Arbeit des Arrangements (angenommen mit 6 Ja! und 3 Nein!!!-Stimmen), nennen das ganze 'im ernst' und tun damit das, was wir meistens mit Liedern zu tun pflegen: wir singen und spielen sie vor zahlendem Publikum. Nun, mittlerweile rennt das Werkl, und wir können ganz kurz, knapp und freudig mitteilen: Interpretiert werden Texte von H.C. Artmann, Joe Berger, Joachim Ringelnatz und Gerhard Rühm, komponiert resp. vertont wurden allesamt von Ernst Kölz, die weiter oben genannten Herren haben das ganze für unsere Laienspielgruppe arrangiert ... und wir täten uns sehr freuen, wenn Sie kämeten und Sich das anhöreten.

Herzlichst
dasKombinat

PS: Trost oder Drohung: Es werden wohl oder übel auch Teile unseres alten Repertoires zur Aufführung gebracht werden.

PPS: Noch eine interessant-witzige Randbemerkung: Der Name Ernst belegt zur Zeit Platz 462 in der Vornamen-Hitliste; das Klangkombinat zufällig Platz 462000 in der Ö3 Hitparade (mit dem Titel 'Schatzi, schätz' einmal, wie sehr ich Dich schätze?').

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