ewig schod drum
off shore 2016-2 ©2017

1 eascht wau ma hi san
wizlsperger : skrepek

2 unhamlich leichd
heller : stricker

3 krone heute österreich
wizlsperger : skrepek

4 ginbummmusik
wizlsperger : gonsior

5 intaressantgschdanzln
wizlsperger : ditsch, skrepek

6 sog du kumsd eh wida dsruk
wizlsperger : kalksburg

7 des kaun wos wean I
wizlsperger : kreutzer

8 owe den boch
antonio fian : skrepek

9 i dua wos i kau
wizlsperger : ditsch

10 wossu
wizlsperger : skrepek

11 way down in the hole
tom waits

12 des kaun wos wean II
wizlsperger : ditsch, skrepek

13 es waren gäste da
antonio fian : ditsch


Den morbiden Schmäh haben sie drauf, die Herren Ditsch, Skrepek und Wizlsperger. Jetzt erscheint das Trio auf dem von Christoph Prisching gestalteten Cover von «ewig schod drum» als gemalte Totenschädel, allerdings bekleidet und mit seinen üblichen Kopfbedeckungen. Dabei sind die drei 1963er-Jahrgänge so alt noch nicht, und bei ihrem Auftritt beim «Musikalischen Adventkalender 2017» im Wiener Schutzhaus am Heuberg erfreuten sie sich scheinbar guter Gesundheit. Kokettieren tut das Kollegium Kalksburg (KK) aber nicht nur mit dem Alter, sondern auch mit der Qualität seines neuen Albums. Es sei gar nicht so besonders gut geworden, weshalb sie nur ein paar Stücke davon spielen und von einem Kauf eher abraten würden. Das ist launiger KK-Schmäh, das Album ist sogar ausgesprochen gut geworden.
Mit phantastischen wienerischen Texten zeigt Wizlsperger, welche Abgründe sich hinter scheinbar normalen Fassaden verbergen können («des kaun wos wean nr.2»), wie das mit der berüchtigten Seite fünf der «Kronen Zeitung» ist/war und welche absurden Tauschmöglichkeiten mit den Gratisblättern «Heute» und «Österreich» sich daraus ergeben können. Geradezu schwindlig macht das spooky «ginbummmusik», das textlich jede Menge Alkoholika aufzählt, und in «i dua wos i kau» wird ein FPÖ -Wähler zum quasi #metoo-Opfer mit vertauschten Rollen. Und dann sind da wieder die eigenwilligen Coverversionen, diesmal ein beeindruckendes «unheimlich leicht» (Heller/Stricker), ein beseeltes, ins Wienerische übertragenes «sog du kummst eh wieder dsruk» (Sam Cooke), und eine Interpretation von Tom Waits' «way down in the hole», die demonstriert, dass Wizlsperger sogar wie Nick Cave klingen kann. Total anders wiederum tönt «des kaun wos wean nr.1», die Aneignung vom «Hobellied» (Raimund/Kreutzer), die alternativen Text und eine überzeugende Vorstellung von Heinz Ditschs Meisterschaft an der singenden Säge enthält. Zwei Texte steuert auch der alte KK-Haberer Antonio Fian bei, von denen besonders «es waren gäste da» am Ende in seiner tiefen Traurigkeit lange nachwirkt. Alles in allem untermauert das Kollegium Kalksburg mit dieser Veröffentlichung wieder einmal seinen Status als Ausnahmeerscheinung im Fach Neues Wienerlied, indem es die Grenzen des Genres sowohl inhaltlich als auch formal auf unterhaltsamste Weise bei weitem sprengt.
Stefan Koroschetz im skug Februar 2018

«Die Kollegen aus Kalksburg» (© Hans Kratky) wollen uns glauben machen als stünde ihr letztes Glaserl auf der Resopaltischplatte. Mit «Ewig schod drum» gaukeln sie uns ihren Abgang vor. Noch einmal spielen sie alle ihre Trümpfe aus und sammeln Stich um Stich. Aber schon das Präludium «Eascht wau ma hi san» lässt auf einen Rücktritt vom Abtritt vermuten. Die Zutaten für ihren Wienerlied-Jazz-Blues-Rap-Punk sind seit inzwischen 22 Jahren «Imma des Söwe»: Akkordeon, Kontragitarre, Singende Säge, Euphonium, geblasener Kamm und extraordinäre Textdichtkunst – «Ginbummmusik» im Öl! Die Kollegen sprechen diesmal nicht nur wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, sie radebrechen auch in fremden Zungen, in verhatschtem «Fransösisch» oder «Gaga-Inglisch». Die «Gerda» ist wieder mit von der Partie, weiters zieht der «Hausvaschdaund» ein in Zimmer, Kuchl, Kabinett und für die Sparvereine gehts «im Oasch von da Raika in d'Hö». Literarmusikalischer Nonsens auf höchstem Niveau. Abgang abgesagt! Die besten Gstanzl-Drucker zwischen Neusiedler- und Bodensee lassen uns «ned augland»! Mario Lang im Augustin Nr. 454

Im Understatement sind die gewitzten Kalksburger schon immer gut gewesen. Seit 1997 geben ihre CD-Titel Auskunft darüber: Bessa wiads nimma, s spüt si o, imma des söwe, oid und blad. Wiad scho wean, schee is wos aundas, weid sama kuma. Und nun: Ewig schod drum. Als Titelbild sind die drei Kalksburger mit Totenschädel und bekannter Kopfbedeckung abgebildet. Oje. Es ist wohl nie zu früh, schon einmal ans Ende zu denken, eh klar. Aber ehe es soweit ist: nutzen Sie diese vielleicht letzte Gelegenheit, diesen fatalistischen Chronisten (oder chronischen Fatalisten?) zuzuhören. Knapp bemessen ist die Verpackung, kein Plastik, sondern Karton-Hardcover, grafisch minimalartig mit Fotos und kleinen bunten Quadraten gestaltet. Keine Texte, keine »wie ist die CD entstanden«- Infos, nur auf der Rückseite die Titel der 13 Tracks. Gut, dass die Texte auf ihrer angenehm neu gestalteten Internetseite zu finden sind. Versschmied und Interpret Vincenz Wizlsperger singt mit entwaffnender Präzision über die, die das »Gerschtl« haben (eascht wau ma hi san, tr.1) oder über das österreichische Zeitungswesen mit besonderer Berücksichtigung gewisser Damen auf Seite 5 (Krone Heute Österreich, tr.3), fabuliert über Alkoholprobleme im Berufsalltag (Ginbummmusik, tr.4) und leidet in Bluesmanier an Liebeskummer (sog du kumsd eh wieda dsruk, tr.6). Zur Melodie des alten Theaterliedes »Da streiten sich die Leut herum« singt Wizlsperger die Ballade des Hausierers Marco Blahowecz (des kaun wos wean 1, tr.7). Paul Skrepek und Heinz Ditsch zupfen und drücken auf der Kontragitarre und dem Akkordeon die passende musikalische Untermalung – so zwischen traditionell und subversiv – und zeichnen natürlich für so manche musikalische Umsetzung verantwortlich. Auch die singende Säge und eine Tuba kommen immer wieder zum Einsatz. Neben eigenen werden Texte von Antonio Fian gesungen oder André Heller/Toni Stricker-Hits sowie Tom Waits gecovert (unhamlich leichd, tr.2 und way down in the hole, tr.11). »Es ist allas unhamlich leicht« war das Lied von Alfred in der Ödön von Horváth-Verfilmung von »Geschichten aus dem Wiener Wald« (Regie: Maximilian Schell), eine Steilvorlage für unsere Fatalisten, die das Lied leicht-beschwingt im geraden Takt vortragen und mit dem Monty Python song »Always look on the bright side of life« ausklingen lassen – überaus gelungen! Also ewig schod drum wär's schon, wenn das der letzte Geniestreich wäre!
Dr. Susanne Schedtler im Bockkeller Nr.4/2018

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i dua wos i kau

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